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Aufarbeitung NSU-Komplex: Wie weiter?

Auf dem Weg zu einem Dokumentationszentrum

© Thomas Dietze

Veranstaltungen zur Weiterentwicklung der Ideen zum NSU-Dokumentationszentrum

Zu zwei Veranstaltungen im Rahmen der internationalen Friedenskonferenz »Build Peace« in Chemnitz lud das Sächsische Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung (SMJusDEG) am 4. November 2022 anlässlich des 11. Jahrestages der Selbstenttarnung des sogenannten »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU) ein. Im Fokus stand dabei eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung eines NSU-Dokumentationszentrums in Sachsen, die die Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien und Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Sachsen im Auftrag des SMJusDEG ausarbeitet. Der Schaffung eines NSU-Dokumentationszentrums wird eine hohe Bedeutung durch die sächsische Staatsregierung beigemessen, welche durch die Aufnahme in den Koalitionsvertrag 2019-2024 unterstrichen wird. Nicht zuletzt hat auch die Bundesregierung die Notwendigkeit der Entwicklung eines solchen Zentrums erkannt und im Koalitionsvertrag 2021-2025 vereinbart.

Internationale Prespektiven auf öffentliches Gedenken an Opfer rechtsterroristischer Gewaltstraftaten

Zum Auftakt gab der Historiker und Diplom-Sozialarbeiter Ingolf Seidel dem internationalen Publikum einen Überblick über verschiedene Gedenkstätten zu Opfern rechtsextremer Gewalt weltweit. Seidel sprach über die temporären Gedenkansätze zu den 14 Opfern der Toronto Van Attack von 1989, die Gedenkstätte von Utøya, die 2022 endlich eröffnet wurde und der 69 jungen Menschen, die 2011 ermordet wurden, gedenkt sowie den Terroranschlag am Bahnhof von Bologna 1980, der 85 Menschen das Leben kostete. Klar wurde bei allen Beispielen und auch in der folgenden Diskussion, dass die Einbindung von Vertreterinnen und Vertretern der Opfer und der Zivilgesellschaft zentrale Erfolgsmomente waren und dies somit auch für die Entwicklung eines NSU-Gedenk- und Archivortes ein unumgänglicher Punkt ist.

Das Unfassbare dokumentieren - Gedenken und Aufarbeitung - auf dem Weg zu einem NSU-Dokumentationszentrum

Im sich anschließenden Workshop mit 24 persönlich eingeladenen Teilnehmenden aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Kommunalverwaltung wurden – moderiert von Cornelia Arras-Hoch – wichtige Fragen zur Entwicklung eines solchen Zentrums diskutiert. Vier Kleingruppen bearbeiteten Fragen wie die Einbindung dezentraler Bildungsangebote, dezentraler Unterstützung von Kommunen, Zivilgesellschaft und Akteuren der Bildungsarbeit durch das Dokumentationszentrum, die Einbindung von Überlebenden, Angehörigen und Opferverbänden und die Frage, wie die aktuellen Prozesse zusammengeführt werden können. Dazu stellten Jörg Buschmann und Dana Schlegelmilch von der RAA Sachsen die ersten Zwischenergebnisse der Machbarkeitsstudie vor. Die finale Studie wird im Frühjahr 2023 präsentiert. Jens Weber und Andreas Wolter vom Büro WeberWolter in Weimar berichteten in einem weiteren Impuls von ihren Erfahrungen beim Aufbau des NS-Dokumentationszentrums in München.

Pilotvorhaben für ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2025 in Chemnitz

Das große Interesse und die anregenden Diskussionen zeigen die Notwendigkeit, einen bundesweiten Prozess anzustoßen, der die dezentralen Anforderungen mitdenkt. Als nächster Schritt soll im Rahmen des Kulturhauptstadtjahrs 2025 in Chemnitz ein Pilotvorhaben für ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex entstehen, das auch einer breiten Öffentlichkeit offensteht.

Veranstaltungsimpressionen

Friedenskonferenz »Build Peace« in Chemnitz 2022

© howtobuildpeace.org

Im Rahmen der »Build Peace Friedenskonferenz« in Chemnitz diskutierten die Teilnehmenden über »Aufarbeitung NSU-Komplex: Wie weiter? Auf dem Weg zu einem Dokumentationszentrum – kommunale und internationale Perspektiven«. Die Friedenskonferenz fand erstmals vom 4. bis 6. November in Chemnitz statt. Mehr als 300 Gäste aus über 75 Ländern waren angereist. Die Teilnehmenden kamen aus staatlichen Verwaltungen, NGOs, dem UN-System oder arbeiten in akademischen Institutionen, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie im Privatsektor.

Alle Informationen zur Friedenskonferenz: https://howtobuildpeace.org

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